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Gärtnern im Grenzbereich

Der Januar 2026 wird mir wohl noch lange in Erinnerung bleiben. Einige Pflanzen in meinem Garten sehen jedenfalls längst nicht mehr so aus wie vor dem Winter.


Im Berner Seeland sank das Thermometer zeitweise auf nahezu –12 °C. Mit einer Durchschnittstemperatur von lediglich 0,5 °C war der Januar hier aussergewöhnlich kalt.

Die Kälte in der Schweiz Anfang Januar 2026 stammte von einer arktischen Polarluftströmung aus Norden/Nordwesten, verstärkt durch klare Nächte und starke Ausstrahlung in den Alpen- und Tallagen.


Während in den vergangenen Jahren ein einfacher passiver Schutz – etwa ein Vlies – ausreichte, um meine ausgepflanzten Palmen zu schützen (und ich zeitweise sogar versucht war, ganz darauf zu verzichten), wurden dieses Jahr viele Palmenfans auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt: Palmen nördlich der Alpen zu kultivieren bleibt Gärtnern im Grenzbereich.


Grüne Hanfpalmen und braune Zwergpalmen. Ein typisches Bild für 2026.
Grüne Hanfpalmen und braune Zwergpalmen. Ein typisches Bild für 2026.

Das gilt umso mehr, seit die sogenannte Tessiner Palme (Trachycarpus fortunei) in der Schweiz nicht mehr gehandelt werden darf. Seit 2024 gilt für diese Art ein Inverkehrbringungsverbot. Doch selbst diese erlitten teilweise deutliche Blattschäden. Einige Palmenfreunde berichten sogar von Totalverlusten – auch bei dieser Art.


Eine junge Hanfpalme mit schweren Frostschäden.
Eine junge Hanfpalme mit schweren Frostschäden.

Weniger winterharte Arten sind ohne Schutz vielerorts vollständig erfroren.

Ich selbst habe eine kleinere Geleepalme (Butia odorata) verloren, und meine grosse ist vom Winter stark gezeichnet – hat aber überlebt.

Einen kleinen Schreckmoment erlebte ich im Frühjahr, als ich sogar Schäden am Speer meiner älteren Chilenischen Honigpalme (Jubaea chilensis) entdeckte. Diese Exemplare sind bekanntlich alles andere als günstig. Glücklicherweise scheint sie den Winter dennoch überstanden zu haben.


Frostschäden am Speer meiner Honigpalme. Sie wurden erst sichtbar, als die Palme im Frühjahr den Speer ganz hinausschob.
Frostschäden am Speer meiner Honigpalme. Sie wurden erst sichtbar, als die Palme im Frühjahr den Speer ganz hinausschob.

Oft werde ich gefragt, ob es überhaupt noch Palmen gibt, die man legal erwerben, auf der Alpennordseite auspflanzen und anschliessend ohne Schutz kultivieren kann.

Ja, die gibt es: Die kleinwüchsigen Nadelpalmen (Rhapidophyllum hystrix) sowie Zwergpalmettopalmen (Sabal minor) zählen zu den winterhärtesten Palmenarten überhaupt und vertragen Temperaturen bis etwa –20 °C.


Allerdings bleiben beide vergleichsweise klein und erreichen bei weitem nicht den Schauwert einer ausgewachsenen Tessiner Palme. Zudem wachsen insgesamt sehr träge. Das macht sie für Baumschulen wirtschaftlich weniger attraktiv; entsprechend sind sie im Handel eher selten und oft teuer.


Bei der Nadelpalme ist es weniger die Erscheinung, die sie interessant macht, sondern vielmehr ihre aussergewöhnliche Winterhärte. Zudem gilt sie als eine der ursprünglichsten heute existierenden Palmenarten. (Info)


Die Sabal minor bildet einen unterirdischen Stamm und schützt sich dadurch vor dem Erfrieren. Nur selten tritt dieser Stamm über die Bodenoberfläche hinaus. Allerdings existieren verschiedene Herkünfte, Formen und Hybriden. So gilt etwa Sabal minor ‘Oriental Giant’ aus der Stadt Oriental im Pamlico County in North Carolina als besonders wüchsige Form und kann Höhen von bis zu drei Metern erreichen. (Info)


Weiter gibt es noch die Kumaon-Hanfpalme (Trachycarpus takil). Dieser Art wird eine ähnliche Winterhärte zugeschrieben wie der Tessiner Palme (Trachycarpus fortunei). Allerdings ist auch sie nur selten im Handel anzutreffen, und ausgewachsene Exemplare sind kaum erhältlich. (Info)


Und dann wäre da noch die Mazari-Palme (Nannorrhops ritchiana): eine Wüstenpalme, der eine beinahe erstaunliche Frostverträglichkeit von bis zu –25 °C nachgesagt wird. Allerdings reagiert sie sehr empfindlich auf winterliche Feuchtigkeit. Ohne Schutz vor Nässe – etwa durch einen Dachvorsprung oder einen «Palmenhut» – wird sie auf der Alpennordseite mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht überleben.



 
 
 

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